Teil eines Werkes 
3. Band (1854)
Entstehung
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— Meine arme Jeanne, Du biſt von einer zu niedrigen Stellung, als daß Du es wagen könnteſt, Dich mit mir in ei⸗ nen Kampf einzulaſſen. Das Vernünftigſte, was Du thun kannſt, iſt, daß Du meine Güte und meine Wohlthaten durch unbedingte und grenzenloſe Unterwerfung anerkenneſt; Deine Unſchuld in⸗ tereſſirt mich; ich meine es gut mit Dir.— Was für eine Stellung haſt Du in der Welt? Die eines verlorenen Weibes, einer Unglücklichen, welche der erſte Beſte beſchimpfen darf, vorausgeſetzt, daß man in ſolcher Niedrigkeit noch beſchimpft werden kann! Du biſt ein armes Mädchen, das ſein tägliches Brot durch immer wiederkehrende Demüthigungen erkaufen muß. Das iſt Deine Stellung, ſie iſt ſchauderhaft! Nun ſieh, wenn Du, was ich auch nicht bezweifle, einwilligſt, Deinem herum— irrenden, elenden Leben zu entſagen und bei mir zu bleiben, ſo gebe ich Dir unter meinen Kammerfrauen eine der erſten Stellen! Du wirſt eine reiche Toilette, Wohlſtand, Gold haben!— Später, wenn Deine Aufführung meinen Erwartun⸗ gen entſpricht, wenn Du die zu Deiner neuen Stellung nöthi⸗ gen Kenntniſſe erlangt haben wirſt, mache ich Dich zu meiner erſten Kammerfrau.— Ich werde Dich ausſtatten und Dich mit einem Diener meines Vatersverheiraten. Sieh, welch eine ſchöne Hoffnung! Du willigſt ein, nicht wahr?

Je länger Nativa ſprach, deſto mehr fühlte Jeanne, ob⸗ wol ſie nicht alles verſtand, wie ihr das Blut in's Geſicht ſtieg und Entrüſtung ihr Herz ergriff. Dieſe beleidigende, ihr ſo neue Sprache, enthüllte in ihr ein Gefühl, das ihr bisher unbekannt geblieben war, das des Stolzes. Indeß ließ ſie ihre Neben⸗ buhlerin ohne Unterbrechung ausſprechen. Sobald aber Nativa geendigt hatte, erhob ſie ſich lebhaft von ihrem Stuhl und ſprach mit feſter Haltung und ſtolzen Blickes:

— Senorita, ich ſehe, daß Sie mich nicht kennen, und gar nicht wiſſen, wer ich ſei!— Sonſt hätten Sie es nie ge⸗

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