Teil eines Werkes 
3. Band (1854)
Entstehung
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Mein Fräulein, das iſt zu viel Ehre für mich, ſagte Morvan, der über allen Ausdruck erſtaunt und verlegen war.

Du ſollſt mich nicht Fräulein nennen, und ſollſt Du zu mir ſagen; willſt Du etwa nicht mein Freund ſein?

Louis, redete Morvan dazwiſchen, Du kennſt Jeanne noch nicht. Dieſes Kind, das man hier Waldblume nennt, iſt der vollendetſte Ausdruck der unverkünſtelten Natur; ſie kennt von den Heucheleien der Civiliſation gar nichts; was ſie denkt, ſpricht ſie aus; was ihr Herz empfindet, drückt ſie aus. Sie gehorcht der Sympathie, welche Du ihr einflößeſt, und denkt ſich in Dir einen Kameraden, nichts weiter. Dank der grenzen⸗ loſen Freiheit, die ſie genießt, dem thätigen Leben, das ſie führt, und der wahrhaften Verehrung, welche alle alten Bou⸗ canier und meine Flibuſtier für ſie empfinden, hat Jeanne, ob⸗ wol mitten unter verderbten ſchwelgeriſchen Menſchen lebend, dennoch eine vollkommene Unſchuld und Reinheit erhalten. Sieh, wie erſtaunt ſie mich anblickt, ſie verſteht mich nicht einmal. In⸗ deß fehlt es ihr durchaus nicht an Verſtand; ſie beſitzt in ihrer Einfalt einen außerordentlich feinen Geiſt; nur ihr Herz hat noch nicht geſprochen. Das iſt Alles, was ich Dir von ihr zu ſagen habe.

Montbars, Du ſchwätzeſt immer von langweiligen Sachen, ſagte Jeanne, und begleitete dieſe Worte mit einem reizenden Mäulchen. Laß mich mit Deinem Neffen nach meiner Weiſe unterhalten, und kümmere Du Dich nicht um uns. Ich habe ihm vieles zu ſagen. Montbars verſichert mich, fuhr das reizende Geſchöpf zu dem jungen Manne gewendet fort, daß Du gut biſt; ich habe auch ein vortreffliches Herz, aber nicht für jeden auf der Inſel, der meine Freundſchaft ſucht. Es gibt viele Leute, die glücklich wären, wenn ich ſo mit ihnen reden würde, wie ich mit Dir rede, ſie würden mir alles anbieten,

was ſie beſitzen. Aber ſiehſt Du, ich nehme nur von Denjenigen

MI. 3.