druck der Verachtung eingekniffene Lippen ſehen. Obſchon hoch⸗ gewachſen, war der ſchöne Laurent doch ſo ſchlank, und hatte ſo kleine Hände und Füße, daß ein Frauenzimmer ihn darum be⸗ neidet hätte; indeß merkte man doch an der Geſchmeidigkeit ſei⸗ ner Bewegungen und an ſeinem feſten Schritt, daß er eine un⸗ gewöhnliche Muskelkraft und wunderbare Gelenkigkeit beſaß. Seine breiten Schultern, ſein mächtig entwickelter Oberleib, und ſeine etwas langen und durch ihre Dicke mit der Zartheit der Hände wenig im Verhältniß ſtehenden Arme beſtätigten dieſe Meinung. Einige Augenblicke genügten Morvan um dieſe Be⸗ merkungen zu machen.
— Nun, Freund, fuhr der ſchöne Laurent, der jetzt das Du anwandte, ſogleich wieder fort, muß ich Dich auf die an⸗ dere Seite der Gaſſe werfen um Dich zu Verſtand zu bringen?
Die Prüfung ſeines Gegners, welche Morvan ſpeben be⸗ endigt hatte, änderte ſeinen frühern Entſchluß zur Nachgiebig⸗ keit; er begriff, daß die ſeltene Impertinenz ſeines Gegners nicht von einem geſtörten Geiſt, ſondern von unendlichem Stolz herrühre; deshalb kochte ſein Blut vor Zorn.
— Mein Herr, rief er, die Hand an den Griff ſeines Degens legend, ich kenne die Gebräuche und Sitten der Inſel St. Domingo nicht; ich weiß nicht, wie die Bewohner derſelben die Gaftfreundſchaft verſtehen; aber ich weiß, daß jeder Schimpf Blut verlangt, und daß Sie mich beſchimpft haben.
Morvan zog nun vom Leder, und ſagte, die Spitze ſeines Degens ſenkend:
— Ich warte, mein Herr. Eilen wir, ich bitte!
Der ſchöne Laurent ſchien es nicht gewohnt zu ſein, daß man ihm die Spitze biete, denn Morvan's Haltung erbitterte ihn.
— Mich mit Dir bei der Hitze ſchlagen! rief er. Das würde mich mehr ermüden, als Du werth biſt! Ziehe Dich zurück, ſage ich Dir, oder Du biſt des Todes!


