Teil eines Werkes 
2. Band (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

roth vor Freude über dieſe Worte, welche aus dem Munde eines Flibuſtiers von ſo großem Gewicht waren; ich werde mein Beſtes thun, um Ihre gute Meinung von mir zu rechtfertigen.

Unterbrich mich nicht; ich komme zu der wichtigen Mittheilung, welche ich Dir verſprochen habe. Vor Allem, Louis, verpflichteſt Du Dich doch, das Geheimniß, das ich Dir an⸗ vertraue, niemals zu verrathen? O, nimm mir dieſe Frage nicht in Uebel; ſie wurde mir durch meine Stellung und meine Pflicht diktirt.

Ich ſchwöre es, Montbars, reden Sie!

Mein Kind, Du weißt, welche ungeheure Macht die Boucanier auf den Antillen befſitzen; aber unbekannt iſt Dir die Anzahl der eigentlichen Boucanier, welche unſere Verbindung ausmachen; ſie beträgt nicht mehr als hundertundfünfzig Per⸗ ſonen. Unterbrich mich nicht, ſage ich Dir! Ja, Louis, hun⸗ dertundfünfzig durch unzerreißbare Bande vereinigte Männer find es, welche die beträchtliche Macht Spaniens in Schach halten, und die morgen, wenn ſie eben Luſt dazu bekämen, ſich von der Autorität des Königs von Frankreich, Ludwig XIV., ſelbſt befreien würden! Mittels unſerer Aſſociation, die es uns möglich gemacht hat, fabelhafte Reichthümer anzuhäufen, ver⸗ fügen wir nach unſerm Belieben über alle Flibuſtier des Oceans, und dieß mit einer um ſo größeren Leichtigkeit und Gewißheit, daunſere unbekannte Macht den Unabhängigkeitsſinn derjenigen, die ich meine Unterthanen nennen kann, nicht ſcheu macht. Ich bin das ſouveräne abſolute Oberhaupt dieſer hundertundfünfzig Verbündeten! Wenn Einer oder Mehrere von uns im Kriege fallen, ſo wählen wir unter den Abenteurern, deren Fähigkeiten uns die meiſten Garantien bieten, die Nachfolger derjenigen, die todt ſind. Bevor jedoch der begünſtigte Neuling mit uns den gleichen Rang einnimmt, muß er eine dreijährige Probe beſte⸗ hen! und welche Probe! die ſchrecklichſte! Wir verlangen von ihm nicht nur den größten phyſiſchen Muth, ſondern auch eine Seelenſtärke und einen Charakter, die über die Alltäglich⸗ keit weit hinausragen. Wir reizen ſeine Leidenſchaft mit Fleiß, und ſtreuen ihm Klippen und Fallen in den Weg! Spiel, Weiber, Wein, nichts wird für ihn geſchont. Unterliegt er der Verſuchung, das heißt, vernachläßigt er, von der Begierde verlockt, nur das Geringſte von einem ihm gewordenen Auf⸗