Teil eines Werkes 
2. Band (1854)
Entstehung
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vom Bruder des Königs. Der Vicomte von Chatillon trug das Gepräge eines Roué der Regentſchaft. Unwiſſend wie er war, gab er ſich den Schein an nichts zu glauben, und nahm ſich zugleich alle mögliche Mühe ſein Vermögen und ſeine Geſundheit zu ver⸗ geuden. Er war frech und ſpöttiſch, weil er es ſeinen Freunden gleich thun mußte, beſaß aber dennoch natürlichen Geiſt und Muth; Wort und Waffen wußte er bei Gelegenheit gut zu be⸗ nützen: er war mit einem Wort im Grunde eine vorzügliche Natur. Brancas und der Marquis de la Fare ſtellten ihn eben wegen ſeiner Lebhaftigkeit ſanft zur Rede, ſchwiegen aber ſogleich als ſie Morvan ankommen ſahen.

— Meine Herrn, ſagte der Bretagner mit von den Höf⸗ lingen erwiederter Höflichkeit, ich war ſehr zerſtreut, als Sie vorhin ſo gütig waren ſich mit mir zu beſchäftigen, und habe daher denjenigen nicht bemerken können, der mir die Ehre er⸗ wies mich hier erwarten zu wollen.

— Ich bin es, mein Herr, antwortete der Vicomte, in⸗ dem er vortrat. Sie ſehen mich noch ganz verblüfft von den Fal⸗ beln Ihrer Göttin.— Du guter Gott! das iſt doch ein Weib, die mit Pomp und Aufſehen zu lieben verſteht. Ich würde fünf⸗ zig Piſtolen dafür geben, wenn ich ſie kennen lernen könnte.

Dieſe mit ſeltener Unverſchämtheit hingeworfenen Worte trieben Morvan das Blut ins Geſicht; übrigens begriff er daß es geſchmacklos wäre, und daß er ſich lächerlich machen würde, wenn er ſich hinreißen ließe; Kraft ſeines Willens unterdrückte er daher ſeine Wuth ſo, daß ſich keine Spur davon in ſeinem Geſichte verrieth.

— Ich verhehle Ihnen nicht, mein Herr, ſagte er an⸗ muthig, zum Vicomte von Chatillon gewendet, daß ich aus der Provinz komme, und von den Pariſer Gebräuchen wenig kenne; wollten Sie ſo gütig ſein mir den Ort zu nennen, wohin ich mich begeben muß um Ihnen die Gurgel abzuſchneiden?

II. 3.