In dem Augenblick jedoch, in welchem Moru Nativa zuerſt ſah, war das junge Mädchen nicht ſo, wie wir ſie eben gezeichnet haben: die heftige Gemüthsbewegung, welche ſie zu erleiden hatte, als ſie ihren Vater in's Meer ſtürzen ſah, bannte die Bläſſe und Unbeweglichkeit des Todes auf ihr anbetungs⸗ würdiges Geſicht. Uebrigens war ihre Schönheit dadurch nicht verſchwunden, ſie war nur verändert; ſtatt einer ſiegreichen war ſie eine rührende geworden.
Der erſte Gedanke des bretagniſchen Edelmannes war, das Steuerruder zu verlaſſen und dem jungen Mädchen zu Hilfe zu eilen; ohne eine wüthende Woge, die eine heilſame Mah⸗ nung, ihn an ſeine jetzige Pflicht erinnerte, hätte er vielleicht dieſe Thorheit begangen, die in ihrer kritiſchen Lage ihr Unter⸗ gang hätte werden können.
— Tauſend Donner! rief der Roßkamm Mathurin, dem Morvan's Abſicht ohne Zweifel nicht entgangemwar; tauſend Donner! Herr Ritter, gebt doch Acht, Alles zu ſeiner Zeit!
Auf dieſe, wenn auch nicht grobe, doch geſchmackloſe An⸗ rede, erröthete Morvan und ſchwieg.
Faſt in demſelben Augenblick kam Nativa wieder zur Be⸗ ſinnung.
— Vater, mein guter Vater, ſagte ſie, indem ſie ſich auf dem Boden der Barke aufrecht ſetzte und den Kopf des ſtolzen graubärtigen Mannes in ihren Schooß legte, ich bin es, Eure Tochter Nativa, die Euch ruft.... Warum antwortet Ihr mir nicht?.. Mein Herr, fuhr das arme Kind fort, indem ſie ſich an Morvan in franzöſiſcher Sprache wandte, denn ihrem Vater gegenüber hatte ſie ſich der ſpaniſchen bedient, mein Herr, ich beſchwöre Euch, kommt mir zu Hilfe! O, Eure Dienſte ſollen Euch großmüthig belohnt werden; mein Vater iſt reich, ſehr reich, er ſieht nicht auf's Geld...
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