Teil eines Werkes 
1. Band (1854)
Entstehung
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II.

Nativa war zu der Zeit, in welcher unſere Geſchichte be⸗ ginnt, ſiebzehn Jahre alt. Unter der heißen Sonne der Tropen geboren, und daher äußerſt frühreif, befand ſie ſich, der Kind⸗ heit kaum entwachſen, doch ſchon im vollen Glanze der ent⸗ wickelten Schönheit.

Niemals hatte Morvan, ſelbſt in den unſinnigſten Träu⸗ men ſeiner Einſamkeit ein Bild geſehen, das der anbetungs⸗ würdigen Vollkommenheit Nativa's gleichkam. Kaum war ſein Blick über die zaubervollen Linien ihrer Geſtalt geglitten, als er wie von einer wunderſamen Offenbarung ergriffen war; er hatte einen neuen Geſichtskreis gefunden, er begriff, daß ſeine rauhe neblige Bretagne nur ein verlorner Punkt in der großen Welt ſei, brennende Reue fühlte er, als er der ſchönen Jahre gedachte, die er an der Küſte von Penmark zwiſchen öden Felſen zugebracht hatte.

Das ereoliſche Weib iſt durch die Erzählungen der euro⸗ päiſchen Romanſchriftſteller beinahe immer entſtellt worden; wir bitten daher den Leſer um Erlaubniß ihm dieſelbe darzu⸗ ſtellen wie ſie iſt, mit ihren Fehlern und ihren Vorzügen.

Die Creolin iſt nicht, wie leichtgläubige Schriftſteller auf den Glauben der Reiſenden, die niemals gereiſt ſind, nach⸗ erzählen, eine nach Schande begierige Meſſaline, eine ver⸗ langende Geliebte, welche die ſchwindende Liebe des Freundes mit der Dolchſpitze aufſtachelt, eine grauſame Kokette, welche die Leiden ihrer Opfer verſpottet; nichts von dem Allen. Die wahrhafte Creolin iſt vorherrſchend gut und mitleidig; leicht⸗ gläubig und naiv wie ein Kind, verwirrt ſie die tiefblickendſten Seelenforſcher durch die Einfachheit und Reinheit ihres Charak⸗ ters, die jene nicht begreifen und daher auf dramatiſche Weiſe

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