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funden habe Papiere!.. Briefe! Es ſind deren zehn bis zwölf. Ah, es ſind ja zweierlei Handſchriften! Das iſt alſo eine regelmäßige Correſpondenz, ſie haben dieſen Gedanken den glühenden Briefen Helviſens und Abälards zu verdanken. Oh, wie ſehr hatte doch der Vater der Literatur, Franz der Erſte, Recht, die Buch⸗ druckerkunſt zu unterdrücken! Wie viele Väter, Mütter und Gatten würden ruhig ſchlafen können, wenn ſie nicht wäre wieder eingeführt worden.
„André, aber das Alles haſt Du doch nicht in dem Strauche gefunden.“—„Das hier iſt der einzige Brief, der dort niedergelegt worden war.“—„Laß uns denſel⸗ ben leſen:»Alles wohl überlegt, iſt mein Vater der Einzige, der uns unſre theure Helviſe hatteentreißen können; wennerunſre Corre⸗ ſpondenzfindet, ſind wir verloren.«„O, mein Gott!“»Ich habeeben alle unſre Briefeunter der Wäſche Deiner Mutter verſteckt, wir ha⸗ ben Beide freien Zutritt in ihr Zimmer, und ſie kümmert ſich nicht um das, was wir dort machen.«„Welche Dreiſtigkeit! Das in dem Zimmer ihrer künftigen Schwiegermutter zu verſtecken, unter ihrer Wäſche!“—„Der Verſteck war gut erſonnen.“—„Ich lache nicht darüber, André, laß uns dieſe Briefe leſen. Eine tiefgefühlte Liebe ſpricht aus jeder Zeile dieſer Briefe, aber ich finde kein einziges Wort darin, welches nicht voll Unſchuld wäre; der Styl iſt rein und fließend: wer hat ſie ſo ſchreiben gelehrt?“—„Derſelbe, der ſie lieben lehrte.“


