Teil eines Werkes 
19. bis 21. Bändchen, Die heilige Ligue oder der Spion : 4. Band (1846) Der Spion
Entstehung
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ſichter einen ſehr beunruhigenden Ausdruck annahmen. Ich hütete mich wohl, mich ihnen zu nähern, das hieße ſie aus ihrem Taumel erwecken; aber eines Tages, wäh⸗ rend der Mittagsmahlzeit, ging ich hinaus, ſtieg in den Salon hinauf, und ſchlug ihre Bücher auf. Es waren die Werke der heiligen Thereſe, dieſelben Werke, welche meine zarte Colombe und ich mit größter Begierde ver⸗ zehrt hatten, und in denen unter dem Deckmantel der Frömmigkeit Alles Liebe und Wolluſt war. Ich ſchauderte zuſammen.

Wie ſollte ich es nun anfangen, ihnen das Leſen eines Buches zu verbieten, welches ſie ſeit ihrer zarteſten Ju⸗ gend in unſerer kleinen Bibliothek geſehen hatten? Das hieße uns ſelbſt anſchuldigen. Daſſelbe ihnen wegnehmen, hätte eine neue Erklärung herbeiführen geheißen, und eine ſolche war ſtets ſtürmiſch geweſen; ich befand mich in der größten Verlegenheit und zog meinen Philoſophen André zu Rathe.Wenn es Nichts weiter iſt als das, ſagte dieſer erfinderiſche Kopf zu mir,ſo werde ich dieſen Abend die Sache in Ordnung bringen.

Die Kinder laſen gewöhnlich an einem Tiſche, welcher unter der großen Lampe, die das ganze Jahr hindurch den Hintergrund unſers Salons erleuchtete, ſeinen Platz hatte die fünf Bände der heiligen Thereſe lagen auf dem⸗ ſelben aufgeſchlagen. Am nächſten Tage nach dem Frühſtücke ſtiegen wir, unſerer alten Gewohnheit gemäß, in die Höhle hinauf; dort blieben wir ein Stündchen, ehe wir zur Ar⸗ beit zurückkehrten. O welches Staunen, welcher Kummer!