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erfrieren laſſen, um ihn in dieſer glücklichen Stimmung zu erhalten. Ebenſo wenig war ich geneigt mit ihm zu er⸗ frieren; wir ſtiegen hinab und traten in unſern Salon, wo die ganze Niederlaſſung verſammelt war. Wie groß war aber mein Erſtaunen! Anton erzählte Alles, was zwiſchen uns vorgefallen war; er gab dieſelben Worte wieder, deren wir uns bedient hatten, er erklärte ſich zum zweiten Male für ſchuldig, ſank vor Antvinetten auf die Kniee und bat ſie um Vergebung; es war unmöglich, eine größere Offenherzigkeit und Unſchuld zu erblicken. Meine Antoinette näherte ſich mir; ſie verſuchte es nicht, ihren jungen Freund zu rechtfertigen, ſie wiederholte die Verſprechungen, deren Ausführung ſie jetzt vor drei Jah⸗ ren beſchworen hatte. Anton geſellte ſich zu ihr, und ſie wiederholten Beide ihre Schwüre; ich drückte ſie Beide an mein Herz, und in den nächſtfolgenden zwei Monaten ging Alles auf's Beſte. Es blieben ihrer jetzt nur noch vier zu überſtehen; aber manchmal bedurfte es nicht einmal ſo vieler Zeit, um ein ganzes Reich umzuſtürzen.
Sie gewannen dem Leſen Geſchmack ab, und ich wünſchte mir Glück dazu. Wie ſchwer hatte ich mich ge⸗ täuſcht! Sie laſen einander die Werke vor, welche André aus Sanct⸗Gallen und Schwaben mitgebracht hatte; es waren belehrende und unterhaltende Bücher, welche aber ganz den Leidenſchaften fremd blieben. Ich glaubte gewiß, daß Derjenige, welcher das Buch in den Händen hielt, mit der größten Aufmerkſamkeit angehört würde; aber ich be⸗ merkte ſehr bald, daß ſie einzeln laſen, und daß ihre Ge⸗


