——
—
und dann eines auf die bei Murten zu ſingen, nach dem Ende jeder Strophe ſangen alle Gäſte mit Begeiſterung Chorus; der gute Wein und die Liebe zur Freiheit began⸗ nen die Köpfe zu erhitzen, und wenn jetzt ein neuer Herzog von Burgund in dieſem Thale erſchienen wäre, ſo hätten Werdaff, Makleer und Joſeph gewiß nicht verfehlt, ihn augenblicklich anzugreifen: und in der That, ich glaube faſt, daß ich auch von der Partie geweſen wäre.
Marianne beſaß ziemlich viel Eitelkeit, und einige Gläſer Wein hatten ihr Vertrauen zu ſich ſelbſt verliehen; ſie hatte wirklich eine ſehr hübſche Stimme, aber ſie kam auf den ſeltſamen Einfall, das Klagelied auf die Sanct⸗ Bartholomäusnacht zu beginnen, vielleicht weil ſie keine anderen Lieder kannte. Schon bei der dritten Strophe hielt der Pfarrer ſie auf:„Mein Fräulein,“ ſagte er zu ihr,„ich weiß, daß dieſes traurige Ereigniß in Rom durch feierliche Aufzüge und durch Artillerieſalven gefeiert wor⸗ den iſt; wir haben die tiefſte Ehrfurcht vor unſerm heiligen Vater dem Papſt, aber wir halten ihn nur dann für un⸗ fehlbar, wenn er an der Spitze eines Conciliums ſteht. Wir ſehen in den Reformirten nur Chriſten gleich uns, und wir rufen den Fluch nur auf das Haupt Derer herab, die ſie verfolgen; Gott allein ſteht das Recht und die Macht zu ſie zu richten.“ Ich glaube in der That, daß
dieſer Pfarrer da, wenn er ſich in Paris befände, die An⸗
hänger der heiligen Ligue bekehren könnte. Marianne erröthete und ſah mich an, meine Züge drückten ohne Zweifel Unzufriedenheit aus; ſie ſchlug die 1*


