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„Wenn ſie nun aus der Kirche kamen, ſo theilten Jutta und Joſeph die kleinen Spiele der Kinder ihres Alters mit einander; ſie ſpielten das Zirkel⸗ und das Eier⸗ ſpiel auch wirklich ſehr gut. Jutta ſuchte zu gewinnen, nur um Joſephen zu gefallen; Joſeph wollte nur darum der Geſchickteſte von Allen werden, um Jutta's Beifall zu er⸗ ringen.
„Die Jahre, welche dieſen Kindern noch fehlten, kamen ebenſo ſchnell heran, wie die, welche wir ſchon zu viel hat⸗ ten, und man ſprach ganz im Ernſte davon, ſie zu verhei⸗ rathen; die Heirathsbedingungen waren ſehr bald feſtge⸗ ſtellt. Wir nahmen uns vor, Alle mit einander zu leben und das Wenige, was wir beſaßen, gemeinſchaftlich zu ge⸗ nießen; noch einen Monat nur, und unſere lieben Kinder ſollten vollkommen glücklich ſein.
„Ein Gemsjäger machte Joſeph glauben, daß das Leben, welches er führe, das unſerer Ahnen geweſen ſei, welche auf den Felſen lebten und ſtarben, und welche mit herabgeſchleuderten Felsblöcken ganze Heere der Burgun⸗ der zerſchmetterten.„Würden wohl Diejenigen, die in den Ebenen leben,“ ſagte er zu ihm,„ſolche Thaten ausführen können, wenn wir angegriffen würden?“ Er fügte noch hinzu, daß die Mädchen die jungen Männer, welche Muth zeigen, nur um ſo mehr lieben, und Joſeph folgte ihm.
„Werdaff erfuhr es und erklärte uns, daß dadurch jedes Band zerriſſen ſei.»Er wird zu Grunde gehen,« ſagte er zu uns,„Jutta kann in ihrem ledigen Stande
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