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als auch durch die Zufriedenheit, welche ſich auf den alten Geſichtern meiner Doctoren ausdrückte.
„Als ich meine Vorleſung beendigt hatte, ließ man mich in ein anſtoßendes Zimmerchen treten, damit meine Thev⸗ logen frei berathen könnten. Ich langweilte mich dort mindeſtens eine Stunde lang, bis ich wieder gerufen wurde, um den Beſchluß der gelehrten Verſammlung zu vernehmen.
„Der Dekan erklärte mir, daß man in dem Werke kei⸗ nen übel klingenden und nach Ketzerei riechenden Satz ge⸗ funden habe, daß es mit Reinheit und Zierlichkeit geſchrie⸗ ben und mit einer der Religion ſehr nützlichen Abſicht ent⸗ worfen ſei. Er fragte mich, ob ich der Verfaſſer deſſelben
ſei, und ich antwortete bejahend.“
Hier konnte ich nicht umhin die Stirne zu runzeln.
„Ich erzählte ihnen dann meine Geſchichte, und die von Madame Scaramuz; ich bat die Verſammlung, bei den kirchlichen Gewalten gütigſt zu meinen Gunſten einſchreiten zu wollen, um mir dieſes Weib da vom Halſe zu ſchaffen.
„Das Werk, welches Sie uns ſoeben vorgeleſen haben«, ſagte der Decan mit ſtrengem Tone zu mir,»iſt von einem ausgezeichneten Theologen geſchrieben; wenn Sie der Verfaſſer deſſelben wären, ſo müßten Sie wiſſen, daß Ihre Ehe nichtig, vollkommen nichtig iſt. Sie häben die Ver⸗ ſammlung hintergangen.- Schon glaubte ich meine Sache verdorben zu haben, nichtsdeſtoweniger verzweifelte ich
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