— 505— te mir die Hand. Vergib, wenn ich manche Stun⸗ de Deines ſchönen heitern Lebens getrübt habe, wenn ich Dich mißverſtand, wenn vielleicht mein Betra⸗ gen ſelbſt Dich berechtigte, mich falſch zu deuten! Vergib!
Dieſe Antwort war mir unerwartet. Ich ſchwieg verlegen. Es ward klar und kühl in meiner Seele, der Rauſch des Enthuſiasmus war verſchwunden— aber ich mußte ihn achten. Ich reichte ihm die Hand⸗ und ſagte mit Herzlichkeit: Glaube nicht, Agatho⸗ kles, daß dieſe Erklärung ſo gemeint war! Ich ma⸗ che Dir keine Vorwürfe; ich habe nichts zu verge⸗ ben. Er drückte meine Hand an ſein Herz: Du biſt immer gütig, immer freundlich! Habe Dank für jede ſchöne Stunde, die ich in Deinem Umgange genoß, für jeden Beweis der Freundſchaft, den Du mir und meinem Weibe gegeben haſt! Entziehe ſie der Unglücklichen nicht Rimm ſie als Deine Freun⸗ dinn, als mein einziges theuerſtes Vermächtniß auf! Mit Thränen der innigſten Rührung, aber gewiß ohne Leidenſchaft, gelobte ich ihm, Theopha⸗ nien als meine Schweſter zu betrachten. Ich war jetzt wirklich ſeine Freundinn geworden. O was hãt⸗ te der Mann aus mir machen können, wenn keine frühere Verbindung eine unüberſteigliche Kluft zwi⸗ ſchen uns eröffnet hätte! Und er iſt todt!


