Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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Drey und dreyßigſter Brief.

Theophania an Junia Marcella.

Nikomedien im Februar 303. Seit zwey Wochen bin ich hier, eine Viertelſtun⸗ de von Nikomedien entfernt. Von dem flachen Haus⸗ dache ſieht mein Auge die nahe Stadt, die Giebel ihrer prächtigen Tempel, die ehrwürdigen Thürme unſerer Kirchen, von denen leider jetzt kein Laut zu uns herüber tönen darf. Linker Hand gegen das Stadtthor zu, das an's Meeres⸗ Ufer führt, liegt das Quartier der kaiſerlichen Leibwache. Dort wohnt Agathokles. Ich ſehe den Rauch aus den Eſſen ſtei⸗ gen, ich höre die kriegeriſche Muſik herüberſchallen⸗ ich entdecke zuweilen ſchimmernde Scharen, die durch die Thore ein⸗ und ausziehen. Wie manches Mahl mag er an ihrer Spitze geweſen ſeyn! Das ſchärf⸗ ſte Auge könnte in dieſer Entfernung keine Geſtalt unterſcheiden; aber der Gedanke daran erſchüttert mein Innerſtes, und macht jede Nerve beben. Unter den Frauen, mit denen ich lebe, iſt die

Agath. i. Th.. 15