Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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— 212— liegt? Ach, die Wahrſcheinlichkeit dieſes Gedanken drängt ſich mir, wenn meine Phantaſie in kühnen Bildern ſchwelgt, am öfteſten, am lähmendſten

auf! Wer weiß, wer dieſe Theophania iſt! Sie

iſt aus Nikomedien gebürtig; ſie hat mich vor zehn Jahren öfters geſehen, ich ſie auch vielleicht, ohne ihren Nahmen zu wiſſen. Wie leicht iſt eine gleich⸗ gültige Geſtalt in zehn Jahren vergeſſen! Helio⸗ dor hat ſie zufällig in Byzanz kennen gelernt; die lunge verlaſſene Witwe begibt ſich unter den Schutz des ehrwürdigen Prieſters, deſſen Alter und Denk⸗ art ihr eine anſtändige Begleitung zuſichern. So kommen ſie nach Synthium, ſo nach Nicäa, wo er ſie zu ſeinen Verwandten bringt. Dort lebt ſie verborgen, bis der verächtliche Wollüſtling Mar⸗ cius die große Zahl ſeiner Schlachtopfer mit ihr vermehren will. Wie alltäglich, wie allzunatürlich iſt dieſe Geſchichte! Ihre Erſchütterung beym An⸗ blick meines Bildes, ihre folgende Bläſſe, Ver⸗ ſtörtheit, der geänderte Reiſeplan, ſind wohl eben ſo unbedeutende Umſtände, die nur in Sulpiciens Phantaſie, welche gern die gewöhnlichſten Dinge in einem ſeltſamen pathetiſchen Lichte ſehen will, ihren Urſprung haben. So fallen meine Hoffnun⸗ gen in ein leeres Nichts zuſammen!

Hundert Mahl in einem Tage durchläuft mein