bewegtes Gemüth den ganzen Kreis von Vermu⸗ thungen und Zweifeln, die dieſer Brief enthält. Hundert Mahl entſagt die prüfende Vernunft den leeren Schattenbildern, und eben ſo oft faßt ſie das Herz mit wehmüthiger Freude wieder auf. O wer kann einer ſolchen Ausſicht entſagen, ehe er be⸗
ſtimmt weiß⸗ daß ſie bloß Täuſchung iſt? Auch ſteht mein Entſchluß feſt, ſo bald ich kann, nach Ricäa zu eilen, und mir überzeugung zu verſchaf⸗ fen, falle ſie nun aus, wie ſie wolle. Ich denke bald Erlaubniß zu erhalten; bis dahin brennt der Boden unter meinen Füßen.
Der Staatskunſt und dem alten Haß iſt ihr feindliches Werk gelungen⸗ Die Chriſtenverfolgung iſt ausgebrochen. Aber unſre Feinde werden doch nicht triumphiren. Es werden tauſend Opfer fal⸗ len, und das Gebäude der Kirche, benetzt mit dem Blute unzähliger Bekenner, wird ſich ſchöner und feſter aus ſeinem Schutt erheben. Auf einer neuen Seite wird mein Gemüth in dieſem Zeitpunct in⸗ nerlicher Unruhe von jenen Unfällen erſchüttert. Ich ſehe meine Brüder leiden, ich ſehe die Unge⸗ rechtigkeiten, die man ſich gegen ſie erlaubt; und Schonung gegen einen dem Grabe nahen Vater verbiethet mir, öffentlich aufzutreten, und mich als ihren Glaubensgenoſſen zu bekennen, jetzt, wo ſie


