Dreyßigſter Brief.
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Agathokles an Phocion.
Rikomedien, im Jänner 305.
Eine heftige Unruhe bewegt mein Innerſtes,
Furcht und Hoffnung wechſeln jede Secunde, und
bringen mich bald der Verzweiflung, bald der Se⸗ ligkeit nahe. Es iſt möglich— faſſe das Entzücken,
das in dieſem Gedanken liegt!— es iſt möglich, daß Lariſſa noch lebt; aber es iſt auch möglich, daß
ſie meiner vergeſſen hat, daß ein Anderer— Nein,
das iſt nicht möglich! Es iſt Läſterung, dieß auch nur zu denken. Wenn ſie noch lebt, ſo liebt ſie mich, wie nächtlich auch ihr Geſchick, wie gebie⸗
thend die Umſtände ſeyn mögen, die ſie hindern,
mich ihr Daſeyn wiſſen zu laſſen. Aber ob ſie noch
lebt, ob die Luftgeſtalt, die vor mir ſchwebt, mehr
als das iſt, das liegt noch verhüllt im Schooße
der Zukunft. Und was wird ſie mir bringen?


