Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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mich, daß e mich un Verzeihung und um die Er⸗

Du denken, kanuſt Du mir nachfühlen, was ich

beſſer, als ſeit langer Zeit, und alle dieſe Stürme

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laubniß bitten laſſe, mich zu ſehen. Liſette! Kannſt

denken und empfinden mußte, als meine Schwe⸗ ſter mir den Brief gab 2 Ich war im eigentlichen Verſtande außer mir; und nur das Zureden mei⸗ ner Schweſter brachte mich wieder zur Beſinnung und zum Bewußtſeyn meines Glückes. O Gott! Nach einem vollen Jahre der Trennung, nach ſo vielen Mißverſtändniſſen, ſo vielen Schmerzen, ſo vielen Thränen mich auf einmahl wieder in die vorige Seligkeit zurückgeſetzt zu ſehen, das war mehr, als mein ſchwaches Herz tragen konnte! Ich mußte allein ſeyn, ich mußte durch Thränen und Gebeth der gepreßten Bruſt Luft machen⸗ Von dem Augenblicke an erwartete ich Ferdinan⸗ den mit jeder Minute, jedes Geräuſch zog mich an's Fenſter, und brachte eine ſieberhafte Erſchüt⸗ terung in mir hervor. Dennoch befand ich mich

griffen mein ſonſt ſo ſchwaches Rervenſyſtem nicht an. Ach, es waren ja Stürme der Freude! In⸗ deſſen vergingen vier, fünf, ſechs ſchmerzlich lan⸗ ge Tage. Thereſe hatte ſogleich den folgenden Tag geantwortet, durch eine Eſtafſette den Brief geſchickt, und ihn gebethen, ſobald als möglich 19