Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

oder wie ich zu der Ehre käme, von ihr eingeladen zu werden, und ging voll Gedanken über alle die Möglichkeiten, welche dieſen Beſuch veranlaßten, zu ihr. Sie empfing mich äußerſt artig, und mit einem Ausdruck von Theilnahme und Achtung, wel⸗ cher ſie noch anziehender machte. Nach einigen gleich⸗ gültigen Geſprächen und Entſchuldigungen, daß ſie mich zu ſich genöthigt habe, ſing ſie an, von meinen Verhältniſſen mit Leonoren zu ſprechen, und ich er⸗ fuhr nun Dinge, die ich noch jetzt kaum begreifen kann.

Leonore hatte ihr bey ihrer erſten Bekanntſchaft

rebhaftes Intereſſe eingeflößt, und das Verlangen in ihr erregt, ſich innig an dieſe liebliche Erſchei⸗ nung anzuſchließen. Aber Leönore ſchien nicht das⸗ ſelbe für ſie zu fühlen; und ſo ſehr ſich auch ihr Geiſt in dem Umgange mit ihr und dem Cirkel, der ſich bey ihr verſammelte, zu gefallen ſchien, ſo blieb doch ihr Herz immer zurückhaltend und kalt. Dieß

war die Urſache, warum die Valſin nie den eigent⸗ lichen Zuſtand ihres Gemüthes erfuhr, und ſich kein Bedenken machte, Wallners Bewerbungen zu un⸗ terſtützen, dem ſie viele Verbindlichkeiten hatte. So

ging alles ſeinen Gang, bis zu der Seene auf dem Balle, die ich durch dich erfuhr. Hier öffnete Leo⸗ norens Betragen ihr auf einmahl die Augen über die wahre Denkart des Mädchens; und ſo ſehr, ſetz⸗