die Rch ſolanger Trennung, ſo viel widrigen Schic⸗ ſalen noch jetzt ſeiner überzeugung zum Trotz in ſeiner Bruſt lebe. Liſette! Sie behauptet, daß die ausgeſtrichenen Worte, die wir mit Mühe durch's Fenſter laſen, ihrer Meinung viel Gewicht gäben. Es ſcheint, ſagt ſie, ſein Herz habe lauter geſpro⸗ chen, als ſeine Vernunft billigen konnte, und ſ löſchte er die verrätheriſchen Worte aus, und ſetzte kältere an ihre Stelle. Auch in dem ſchwermüthi⸗ gen Tone, der in dem ganzen Briefe herrſcht, will Thereſe Gründe für ihre Behauptung finden, und vor allem in der Stelle, wo er ſo ängſtliche Zwei⸗ fel und ſo viele düſtere Beſorgniſſe über mein Le⸗ ben äußert. Ach Liſette, wenn ſie mir das alles ſchmeichelid vorſtellt, mein Herz, das ſo lange zu hoffen ver⸗ lernt hat, wieder mit ſüßen Bildern erfüllt, wenn
ſie mit zauberiſcher Hand die ſchöne Vergangenheit*
an eine ſchöne Zukunft bindet, und die kalte düſte⸗ re Gegenwart verſchwinden läßt, dann iſt mir oft, als ſollte, als könnte ich ihr glauben. Meine Bruſt öffnet ſich tauſend beruhigenden Gefühlen, es iſt mir, als könnte ich noch glücklich werden, das Le⸗ ben wird mir wieder lieb, ich verlange nicht mehr, ja ich fürchte dann zu ſterben, und wünſche ſehn⸗ lich, daß es möglich ſey, meine Krankheit zu heilen.


