Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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gleich. Sein Vermögen iſt anſehnlich. Ich weiß

zwar, daß er vor einiger Zeit, wie die Meiſten ſeines Standes, in einiger Verlegenheit war; aber ſeit dem Tode eines Großonkels, der ihm ei⸗ ne anſehnliche Summe hinterließ, ſind ſeine Um⸗ ſtände ganz geändert. Es iſt alſo nicht ſehr wahr⸗ ſcheinlich, daß mein Vermögen, das doch, gegen das ſeine gehalten, in gar keinen Betracht kom⸗ men kann, ſo viel Werth in ſeinen Augen haben ſollte, um ihn zu einer ſo langen, planmäßigen Verſtellung zu bewegen. Warum ſoll ich alſo al⸗ len Umſtänden zum Trotze das Schlechteſte von ihm glauben, das auch zugleich das unwahrſchein lichſte iſt? Die Eitelkeit hat keinen Antheil an dieſem Glauben, das verſichere ich Dich. Ich weiß nur zu wohl, daß Männerherzen ſehr flüchtig, ſehr ſchwer zu feſſeln ſind, und daß es einem treuen, aufrichtigen Gemüthe, wie meines, das ſich offen hingibt, viel weniger gelingt, einen Mann feſt zu halten, als einer ſchlauen Coquette, die bey Her⸗ zenskälte Gelaſſenheit genug beſitzt, ihr Außeres immer zu bewachen, die Seite ihres Charakters herauszukehren, die der Liebhaber gern ſieht, und über ihre Fehler und Schwachheiten einen künſt⸗ lichen Schleyer zu werfen. Das weiß ich, Schwe⸗ ſter, ich habe es nur zu ſehr gefühlt, und fühle Leon. II. Th. 2