— 210„ nünftigen Menſchen einfallen, ſolche Forderungen
14 zu machen? Wie ſoll man denn in der Welt le⸗ ben, wenn man nur mit den Leuten umgehen will, deren Charakter und Aufführung ganz tadellos iſt? Bin ich zur Sittenrichterinn über die Leute berufen, die mein Haus beſuchen? Es iſt die Pflicht jeder Hausfrau, darauf zu ſehen, daß kei⸗ ne Unanſtundigkeit in ihrem Hauſe vorfalle, und ſt hat das Recht, die Leute, die ſich dergleichen erlauben, davon auszuſchließen; wie ſich aber je⸗ des in ſeinen vier Mauern beträgt, was es ſich da erlaubt oder nicht erkaubt, das geht uns in der Geſellſchaft nichts an, und wir haben kein Recht, uns darum zu bekümmern, wir müßten denn folche Klatſchmuhmen ſeyn, wie Frau von Dorſing, die die Laſterchronik und den ganzen Hausſtand von jeder ihrer Bekannten wiſſen und beſchwatzen will. Mein Fräulein! Wenn Sie Ih⸗ 1 ſ rem Liebhaber ſolche Pedanterien erlauben, und ihm in ſolchen lächerlichen Forderungen nachge⸗ ben, ſo werden Sie ſich eine ſchreckliche Ruthe binden. Gute Racht! Mit dieſen Worten ging ſie in ihr Cabinett, und ich und Juliane auf unſer Zimmer. Als wir allein waren, ſagte Juliane: Ich muß Sie der Indiseretion meiner Mutter we⸗ gen um Verzeihung bitten. Sie hatte ſchlechter⸗


