— 146—
der die Tugend aushing, aber nicht den herrſch⸗
ſuͤchtigen Fanatiker, der rauh und ſtreng, aber
dabei gerade und ehrlich war. Sie wußte zu gut, daß Deſodry bereits zu tief in ihren Neten
war, als daß ein Mann wie Danriot, ihn ihr entfuͤhren konnte. Seine Schrecken, rechnete
ſie— und ſie verrechnete ſich nicht— mußten
ihr zuletzt den Sclaven ſelbſt zufuͤhren.
Daß ſie uͤbrigens dabei jede Gelegenheit be⸗ nutzte, den Freund an ſich zu ziehen, läßt ſich erwarten. Eines Tages fand er ſie— geſchickt hatte ſie dies zu veranſtalten gewußt— allein am Sprachgitter. Erſchrocken wollte er fliehenz
ihm fiel Danriot ein; ein Blick auf die liebens⸗ wuͤrdige Frau verwiſchte das Bild des Ascetikers und er blieb. Bald vergaß er ſich, ſeine Vor⸗ ſätze, ſeine Verſprechungen ſo gaͤnzlich, daß er, im Drange ſeiner Gefuͤhle, die Schöne anflehte, 6 die Zuſammenkuͤnfte im Garten des Koͤnigs wie⸗ der zu geſtatten. Wie ward ihm aber, als Her⸗ 1 minie mit ſanftem Errothen, leiſe und bebend geſtand, ſie durfe dies nicht wagen, ſie fuhle, dies ſey zu gefoͤhrlich fuͤr ſie.—


