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thoͤricht, wenn wir uns beklagen wollten, daß wir zugleich die Leidenſchaften, die uns ſo oft ver⸗ locken, mit erhalten, denn, wo bliebe denn die
Verdienſtlichkeit der Tugend, wenn ihre Aus⸗
uͤbung uns keinen Kampf koſtete? Die Leiden⸗ denſchaften zu bekampfen, das iſt der Vorwurf, welchen die höhere Weisheit uns gab; um dies aber zu koͤnnen, muͤſſen wir die Hebel kennen lernen, welche uns zu unſern Handlungen hin⸗ treiben. Ernſte Blicke in das eigene Innere, ernſte Vergleichung unſeres Thuns mit dem von Andern, fuhren hier am beſten zum Ziele. Sehen wir das eben geborene Kind, ſo erblicken wir, wie es einzig belebt von dem Trieb der Selbſterhal⸗ tung, begierig den naͤhrenden, muͤtterlichen Buſen ſucht. Erſt nach und nach entwickeln ſich andere Gefuͤhle in ſeiner Bruſt. Dankbarkeit gegen die Mutter, welche es naͤhrt, Neigung zu den Ge⸗ ſchwiſtern oder andern Kindern ſeines Alters, Mitgefuͤhl fuͤr das Leiden Anderer, keimennach und nach empor. Es lacht und weint mit ſeiner
Umgebung und zeigt ſo ſeine Theilnahme an An⸗
dern. Wenn endlich ſein Geiſt ſich mehr ent⸗ 3


