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zeigten eine unverwuͤſtliche Unermuͤdlichkeit; Dag und Nacht liefen ſie umher, verſprachen, droh⸗ ten, ſchmeichelten, haten und ſchimpften auf
die Gegnerz ſo ſuchten ſie ſich Anhaͤnger zu
verſchaffen. Sie ſtifteten Cabalen an, ſezten ihre Verwandten und Bekannten, ihre Weiber und ihre Maitreſſen, ihre Gläubiger und ihre Die⸗
ner in Bewegung. Die Einen cabalirten fur
ſich, indem ſie ſelbſt gewäͤhlt ſeyn wollten; die Andern fur ihre Freunde, oder fuͤr die Freunde von ihren Freunden, oder fuͤr ihre Beſchutzer,
oder fuͤr die Creaturen von ihren Beſchuͤtzern.
Die großen Wahl⸗ Cabalen oder vielmehr
die große Wahlkunſt war damals noch nicht zu dem Grade der Vollkommenheit gediehen, auf welchem ſie heutzutage vielleicht ſteht. Men⸗ ſchen ohne Sitten wagten noch nicht ganz offen die Sitten zu hoͤhnen; die hohen und niedern Angeſtellten trugen noch einige Scheu in ſich, ihren Untergebenen durch Circulare geradezu zu
befehlen, wie ſie ſich bei der Wahl zu beneh⸗ men hätten; unter der Hand ließ man jedoch
ſchon die Alternative der Gunſt und Ungunſt
blicken; man konnte es nicht wagen, alle Jour⸗


