160
„Siehſt Du, wie Du mich verſtehſt!“ Eine wilde Leidenſchaftlichkeit lag, als ſie die bei dem vorigen ſtür⸗ miſchen Ausbruch ihrer Verzweiflung vor das Geſicht geſchlagenen Hände ſinken ließ, in ihren Augen und in
ihrem Antlitz ausgeſprochen.„Und ſchon wieder dieſer Spott! Aber mag mein Herz brechen, ich ertrage das nicht länger.“
„Olympia, höre mich, bei Gott!—“
„Triumphire denn, ſtolzer Mann“, fiel ſie ihm in flammender Erregung ins Wort,„wirf zu den andern Deinem Ehrgeiz gebrachten Opfern auch mich! Steige nur hoch und immer höher bis hinauf zu dem Gipfel des Ruhms, welchen Du Dir zu erklimmen vorgeſetzt haſt. Zertrümmere den Bau der heiligen allein ſeligma⸗ chenden Kirche! Stürze die Herrliche in den Staub, aber wiſſe, jeder Schlag, welchen Du gegen ſie führſt, trifft mit mir Millionen gläubiger Chriſtenherzen. Ein greller Blitz hat meine Seele erleuchtet, und entſetzt ſtarre ich in den bodenloſen Abgrund, der uns trennt. O heilige Gnadenmutter, verzeihe Deinem armen verirrten Kinde! Zu dir will ich mich flüchten! Ein ganzes der Reue und dem Gebet geweihtes Leben wird meinen Fehl kaum zu ſühnen vermögen. In irgend einem Kloſter, fern in den apuliſchen Bergen, will ich meine Schande verbergen.“
„Olympia, mein ſüßes Leben, beruhige Dich doch


