158
ſich löſen. Wie? Thränen in Deinen Augen? Sprich! Sprich doch zu mir! Was iſt es, das Dich bedrückt?“
„Nun, meinen der Herr Pater nicht auch, daß ſie ihr Spiel gewinnen wird?“ flüſterte hinter dem Vor⸗ hang die Duenna, zu deſſen Ohr geneigt.„O, ich wußte es wohl, ſie kann, was ſie will; der Orden beſitzt keine zweite wie ſie. Iſt ſie doch aus meiner Schule hervor⸗ gegangen.“
„Still!“
„Ach, Chriſtian!“
„Himmel! Olympia, Geliebte, entreiße mich doch dieſer peinigenden Ungewißheit! Du weinſt! Du biſt ganz außer Dir! Hat denn etwa ein unbedachtes Wort von mir, hat eine meiner Handlungen Dich verletzt? Oder ſollte irgend wer es gewagt haben, Dich, meine angebetete Herrin, zu beleidigen?“
„Und vermagſt Du wirklich nicht zu ahnen, was wie der Geiſt einer kalten Todtenhand mein Herz zu⸗ ſammenpreßt? Dieſe Pein, dieſes unendliche Weh, das meine Seele durchzittert, das mich im Traume ängſtet?“
Thränen erſtickten ihre Stimme.
„Sieh, gleich einem finſtern dräuenden Schatten richtet der eine mich marternde Gedanke ſich in Schlaf und Wachen wider mich auf und wehrt der Wonne, von Dir geliebt zu werden, und ſtürzt mich vom Gipfel des


