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So groß aber auch die Eingeſchraͤnktheit meiner Vernunft iſt, Gott nach allen ſeinen Vollkommenhei⸗ ten ganz in dieſem Erdenleben zu erkennen, ſo iſt doch das Wenige, was ich ſterblicher Menſch von ihm, dem Erhabenſten und Unendlichen, zu erkennen vermoͤ⸗ gend bin, ſchon hinreichend, mir eine richtige Vor⸗ ſtellung von Gott zu verſchaffen, wenn ich nur das⸗ jenige, was Vernunft und Schrift mir von Gott ſagt,
mit Verſtand faſſe, deutliche Begriffe mir davon zu
rwerben ſuche, und mich weder mit auswendig ge⸗ lernten Formeln und leeren Worten begnuͤge, noch mehr von Gott wiſſen will, als was meiner ſchwachen Vernunft von ihm zu wiſſen vergoͤnnt iſt.
Allein vernuͤnftiges Rachdenken uͤber Gott be⸗ ſchaͤftiget ſich nicht nur mit genauer Kenntniß ſeines Weſens und ſeiner Eigenſchaften. Es beſchäftiget ſich zweytens noch weit ſorgfältiger mit richtigen Be⸗ griffen von den Verhaͤltniſſen, in welchen ich mit Gott ſtehe. Dieß Nachdenken ſucht nicht ſowohl zu erfor⸗ ſchen, was Gott iſt? als, was er mir iſt? Gott ſey noch ſo weiſe, noch ſo mächtig, noch ſo guͤtig, noch ſo heilig, noch ſo unerforſchlich, wenn alle dieſe Eigenſchaften ſeines Weſens keinen Bezug auf mich haben, wenn ſie mich nichts angehen, ſo koͤnnen ſie wohl meinen Verſtand beſchäftigen, ſie koͤnnen mich zu unfruchtbaren Unterſuchungen veranlaſſen, aber ſie haben keinen Einfluß auf mein Herz, auf die Mora⸗ lität meiner Handlungen. Sollen ſie dieſen Einfluß haben, und ohne ihn iſt alles, was ich uͤber Gott denke


