Teil eines Werkes 
Zweyte Abtheilung (1798)
Entstehung
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In allen Verhaͤltniſſen, in welche uns Gott, unſer Schoͤpfer und Herr, auf der jezigen Stuſe un⸗ ſers Daſeyns geſetzet hat, iſt dieſe Liebe uns ganz unentbehrlich, wenn wir dieſen Verhältniſſen gemäß handeln wollen. Koͤnnte ich dieſen Gott als meinen Schoͤpfer, meinen Erhalter, meinen Wohlthaͤter, meinen Vater, der mich als ſein Kind zum Erben einer ſeligen Unſterblichkeit erhoͤhen will, erkennen und verehren, ohne Liebe zu ihm? Koͤnnte ich wiſſen und empfinden, was ich Jeſu Chriſto, meinem Hei⸗ land und Herrn, zu verdanken habe, ohne Liebe zu ihm? Koͤnnte ich meinen Nachſten haſſen, und doch zugleich wiſſen, daß er in eben den ſeligen Verhält⸗ niſſen mit Gott und Jeſu ſteht, in welchen ich ſtehe? Und wo iſt eine Pflicht, welche die ganze chriſtliche Moral von mir fordert, zu welcher dieſe Liebe zu Gott und dem Nächſten nicht der ſicherſte Bewe⸗ gungsgrund wäre? An dem merken wir, ſagt Jo⸗ hannes, daß wir Gott kennen,(und wer kennt ihn, ohne ihn zu lieben?) ſo wir ſeine Gebothe halten. Liebe zu Gott iſt alſo der Probierſtein jeder chriſtli⸗ chen Tugend. Nun dieſe Liebe iſt es, die uns die Ausubung der Gebothe, die uns Gort gab, nicht ſchwer, ſondern leicht macht.

Aber freylich, wenn uns dieß hoͤchſte Sn ſet der Liebe zu Gott und dem Nächſten das wirklich ſeyn und heißen ſoll, was wir davon in dem Vor⸗ hergehenden behauptet haben, ſo muͤſſen wir vor allen Dingen wiſſen, worinnen der weſentliche Inhalt die⸗ ſes Geſetzes beſtehe?

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