Teil eines Werkes 
Zweyte Abtheilung (1798)
Entstehung
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geſetz der Liebe zu Gott von einer ganz neuen Seite gezeigt. Er hat uns zuerſt den wahren Inhalt dieſes Geſetzes, und worauf es dabey vorzuglich ankommt, bekannt gemacht. Er hat uns gezeigt, daß wahre Liebe zu Gott ſich in wahrer aufrichtiger Liebe zu ſei⸗ nen Mitmenſchen aufloͤßt. Dieß hat vor ihm kein Weiſer gelehrt. Sein ganzer Lehrvortrag iſt ein Commentar über dieß hoͤchſte Sittengeſetz. Faſt in allen ſeinen Parabeln, Belehrungen, Gleichniſſen, iſt Liebe des Nächſten der herrſchende Ton. Dieſe tiebe des Nächſten ſchaͤtzt er der Liebe zu Gott gleich. Dieß andere Geboth iſt dem erſten gleich, ſagt er ausdruͤcklich. Er ſezt zwey einfache Hauptregeln feſt, aus welchen der Menſch beurtheilen kann, ob er Gott und ſeinen Nächſten liebt. Was du willſt, lehrt er, das dir die Leute thun ſollen, das thue ihnen auch, und was du nicht willſt, das dir die teute thun ſollen, das thue ihnen auch nicht. Sein Lieblingsjuͤnger, Johannes, von ſeinem großen Lehrer unmittelbar un⸗ terrichtet, ſagt uns ausdruͤcklich: Wer ſeinen Bru⸗ der nicht liebet, den er ſiehet, wie kann er Gott lieben, den er nicht ſiehet?

Endlich hat Jeſus Chriſtus die Verbreitung dieſes Sittengeſetzes noch dadurch befoͤrdert, daß er uns an ſeinem eigenen Beyſpiel gezeigt hat, wie wir es anfangen muͤſſen, wenn es uns Ernſt iſt, dieſem uns gegebenen Sittengeſetz gemäß zu handeln. Hier⸗ inne unterſcheidet er ſich von allen andern Lehrern des Moralgeſetzes. Wie wenig ſtimmen oft ihre eigenen

Hand⸗