Teil eines Werkes 
Zweyte Abtheilung (1798)
Entstehung
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Was hat alſo Jeſus Chriſtus vorzuͤglich gethan, cls er uns dieß hoͤchſte Sittengeſetz von neuem ein⸗ ſcharfte? Er hat es uns erſtlich ſo einfach, ſo klar, ſo uberzeugend vorgetragen, daß jeder unverdorbene Verſtand des Menſchen, ſey ſeine Fähigkeit ſo mit⸗ telmäßig, als ſie nur immer will, dieß Geſetz ver⸗ ſtehen, ſeine Wichtigkeit und Vortrefflichkeit einſe⸗ hen, und von der Nothwendigkeit deſſelben ſich feſt uberzeugen kann. Wo iſt ein Menſch, welcher un⸗ fähig waͤre, Gott zu lieben, wenn er nicht ſelbſt ſich hierzu unfahig gemacht hat? Wo iſt ein Menſch, welcher die Motive zu dieſer Liebe nicht unzählbar in ſeinen Verſtand und in ſein Herz eingedruͤckt fuhlt, wenn er nicht ſelbſt dieſe Eindrucke vorſetzlich in ſich ausloͤſcht? Und wie koͤnnte der Menſch, der Gott liebt, ſeinen Rächſten nicht lieben?

Jeſus Chriſtus hat aber auch zweytens dieß höchſte Sittengeſet auf eine ganz neue, eindringen⸗ dere Art uns vorgetragen, als die Patriarchaliſche und Moſaiſche Religion dieß Sittengeſes vor tellen. Er hat uns weit ſtärkere Motive, dieß Sittengeſetz zu befolgen, an das Herz gelegt. Dieſen Gott, den wir nach ſeiner Vorſchrift lieben ſollen, ſtellt er uns nicht bloß als unſern Herrn, unſern Schoͤpfer, un⸗ ſern Wohlthaͤter vor; er erhebt uns zum Rang ſei⸗ ner geliebten Kinder; er lehrt uns, dieſer Gott, den wir lieben ſollen, iſt unſer Vater; wir ſollen ihn lieben, wie Kinder ihren Vater lieben, ohne Furcht, mit kindlichem Vertrauen. Welche neue, gluͤckſelige

Ver⸗

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