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Habt vor allen Dingen Ehrfurcht vor euch ſelbſt, und lernt eure Wuͤrde als Menſch ſchaͤtzen. Denkt, wer ihr ſeyd, vernuͤnftig und frey, und han⸗ delt dieſer Vernunft und Freyheit ſtets gemäß. Er⸗ waͤgt, wie wenig ſinnliche Luſt dieſen vernuͤnftigen un⸗ ſterblichen Geiſt zu befriedigen vermoͤgend iſt. Habt ihr euch ſelbſt ſchaͤtzen gelernt, ſo werdet ihr leicht die Wichtigkeit des zweyten Huͤlfsmittels einſehen: Lernt den Werth der Tugend kennen und ſchaͤtzen. Haͤtten die Menſchen reine und richtige Begriffe, wie ſuͤß, wie angenehm die Vergnugungen der Tugend ſind, welches Gluͤck eine unſchuldsvolle, reine, heitere Seele iſt, die ſich keiner boͤſen Handlungen und Ge⸗ lüſte bewußt iſt, wie leichter wuͤrde ihnen der Weg zur Erreichung dieſer Tugend werden! Ach leider! kennen ſie dieſe Vergnuͤgungen nicht, und was wir nicht kennen, deſſen Werth reizt uns nicht. Freylich erſchweren wir uns den Weg zu dieſer Tugend zu ge⸗ langen, dadurch, daß Erziehung, Beyſpiel, Sitten von der fruͤheſten Jugend an, unſern Geſchmack ver⸗ derben, dieſen Geſchmack an die ſinnliche Luſt gewoͤh⸗ nen, und ihn nie auf dasjenige leiten, was wahrhaft, edel, ſchoͤn und gut iſt. Junge Seele, willſt du dich fruͤh, mit weniger Beſchwerde zu wahrer Tugend und Rechtſchaffenheit bilden, ſo gewohne dich fruhzeitig, an Allem Geſchmack zu finden, was ſchon, edel und gut iſt, und mache es zum Ziel deiner Nei⸗ gungen. Und du Lehrer, deſſen Beruff es war, dieſe junge Seele zu bilden, bilde vor allen Dingen dieſen Geſchmack deines Lehrlings, ſtatt ſein Gedächtniß mit
leeren,


