Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung (1798)
Entstehung
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29 nunft, von allen dieſen Wahrheiten nunmehr uͤberzeu⸗ gend darthut, iſt der Grund ſeiner Vernunftreligion. Allein er bleibt hier nicht ſtehen; er geht weiter; er findet bey unparteyiſchem Forſchen, daß ihn die Ver⸗ nunftreligion nicht alles lehrt, was ihm zu ſeiner voͤlli⸗ gen Ueberzeugung und Beruhigung, zu der Erfuͤllung ſeiner Pflichten, und der Hoffnung der Gluͤckſeligkeit, die er erwartet, zu wiſſen nothwendig iſt. Dieſen Mangel erſetzt ihm die unmittelbare goͤttliche Offenbarung, und demüthig und dankbar unterwirft er ſeine Vernunft, auch dann ihren hohen Lehren, wenn er nicht alle Zwei⸗ fel gegen dieſe Lehren aufloͤſen kann, ſo bald er nur völlig gewiß iſt, daß es Lehren einer unmittelbaren goͤttlichen Offenbarung ſind.

Er unterſcheidet alſo genau die Graͤnzen der Ver⸗ nunftreligion von den Graͤnzen der Offenbarung. Die Lehren der erſtern ſind die Grundlage des Gebaͤndes, die Lehren der letztern geben dieſem Gebaͤude Feſtigkeit, und beyde geben ihm Unzerſtoͤrbarkeit gegen alle Stürme des Unglaubens und des Aberglaubens. Ohne ge⸗ reinigte Vernunftreligion iſt kein aufgeklaärtes, wahres chriſtliches Religionsſyſtem moͤglich.

Wollt ihr alſo, meine Lieben, richtige Begriffe von allem demjenigen, was chriſtliche Religion heißt, euch verſchaffen, ſo uͤbt euere Vernunft im Nachdenken, uͤber Gott, uͤber euch ſelbſt, uͤber die Dinge die um euch ſind, uͤber eure Beſtimmungen und Verhaͤltniſſe. Herrlich, unausſprechlich herrlich ſind die Wahrheiten, die euch dieſe reine aufgeklaͤrte Vernunftreligion lehren

wird⸗