Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung (1798)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

26

und falſch halten, weil ſie ſolche nicht begreifen kann.

Wenn ich Etwas, was meine Vernunft nicht

begreifen kann, als unmittelbare gottliche Offen⸗ bahrung glauben ſoll, ſo muß ich mich uͤberzeu⸗ gen koͤnnen, daß es wirklich von Gott unmit⸗ telbar offenbart worden iſt. Meine Vernunft muß endlich nie entſcheiden, wo ſie es nicht mit vollkommner Gewißheit thun kann. Sie iſt aber auch nie ſtrafbar, wenn ſie dann zweifelhaft bleibt, ſo oft ihr weder die

Gruͤnde fur noch die Gruͤnde wider einen Lehr⸗

ſatz uberwiegend zu ſeyn ſcheinen.

Dieß ſind diejenigen Grundſaͤtze einer freyen unpar⸗ teyiſchen Vernunft, nach welchen ich gepruͤft habe, ob ich als Chriſt, dieſe oder jene Lehre, die man als ge⸗ offenbarte chriſtliche Religionswahrheit ausgegeben hat, dafuͤr annehmen ſoll oder nicht. Ich dringe euch dieſe Grundſätze nicht als unumſtößlich wahr⸗ und richtig auf. Ich behaupte auch nicht, daß ſie keinen Zuſatz und keine Verminderung leiden. Ich lege euch nur den Grund vor, auf welchem ich mein Religionsſy⸗ ſtem erbaut habe. Es ſteht euch frey/ feſter und dauer⸗ haſter zu banen. Was ich! durch dieſe Grundſäͤße geleitet, als Religionswahrheit erkannt habe, das lege ich euch in den folgenden Anmerkungen vor.

§. 3. Vernunftreligion, was lehrt ſie ohne Offenba⸗ rung? was lehrt ſie nicht? Iſt ſie zu unſerm Un⸗

ril