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Die Tochter des Wilddiebes : eine Erzählung nach Thatsachen / von Elfried von Taura
Entstehung
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ſie ſo fortſchreitet, kann ſie in einer halben Stunde an Ort und Stelle ſein. Aber nach einer Viertel⸗ ſtunde ſchon iſt ihre Kraft zu Ende ſie hat das Menſchenmögliche geleiſtet, und komme, was da wolle, hier muß ſie ſitzen bleiben und ſchlafen. Schon ſen⸗ ken ſich die müden Augenlider, ſchon ſchwinden ihr die Sinne da weckt ſie ein gellendes Pfeifen aus ihrer Betäubung. Noch einmal erwachen alle ihre Lebensgeiſter, das Pfeifen mahnt ſie an ihren Zweck, denn es kann nur von den in der Nähe lauernden Banditen kommen wehe! wenn ſie in ihre Hände fiele, die auf den höchſten Gipfel geſteigerte Angſt verdreifacht ihre Kraft und ſchneller als erſt eilt ſie dahin. Unaufgehalten erreicht ſie die Hütte Träger's. Ein einſpänniger, umgelegter Schlitten vor der Thür zeigt an, daß der geiſtliche Beſuch noch hier iſt. Die Thür iſt unverſchloſſen, und Dore tritt ein.

Richtig! da ſaß der theuere Mann in ſeinem geiſtlichen Ornat und belauſchte den Schlummer des Kranken. Er hatte ihm zwar das Abendmahl gereicht, aber da er ſeinen Zuſtand nicht tödtlich gefunden, hatte er einen Heilverſuch angeſtellt; auf die vorhan⸗ denen Symptome einer Vergiftung hin hatte er ein wirkſames Brechmittel angewendet, infolge deſſen der Kranke in tiefen Schlaf gefallen war. Die Tochter des Wilddiebes. 15