Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
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damit zu nähren. Mit Staunen und Grauen hatte Scar⸗ latti in dem Jammerbilde die einſtige Geliebte, Ludmila von Mahrenberg, wieder erkannt und den gutherzigen Rieſen vhne Mühe bewogen, ſie aufzuheben und in's Schloß zu tragen. Mit heiligem Erbarmen hatte die milde Herrin die Unglückliche aufgenommen und ihr ſchweſterliche Pflege angedeihen laſſen. Anfangs hatte ſich dieſelbe etwas erholt, aber es war nur das letzte Auf⸗ flackern der erlöſchenden Lebensflamme geweſen. Der größten Sorgfalt von Seiten Libusa's ungeachtet, war die Kranke bald wieder kränker geworden, und nun lag ſie nach langem Todeskampfe, ohne je wieder zur klaren Be⸗ ſinnung gekommen zu ſein, in ihren letzten Zügen.

Jetzt kam der Burgkaplan, um die ſcheidende Seele mit ſeinem Gebete zu begleiten. Als er das Amen ſprach, hatte Ludmila ihren letzten Athemzug gethan, und die arme Seele ſtand vor dem Richter, der auch der Er⸗ barmer iſt.

Libusa drückte der Leiche die Augen zu, dann ver⸗ ließ ſie mit dem Kaplan das Todtengemach.

Den nächſten Tag ward die Todte von den Bewoh⸗ nern des Schloſſes ſtill zur Erde beſtattet.

Das war ſeit langer Zeit das erſte traurige Er⸗ eigniß, das den heitern Frieden dieſes Schloſſes unter⸗ brochen hatte. Mit der ganzen Kraft ihres klaren und geſunden Geiſtes hatte Lbusa den Jammer des über