Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

238

Wege. An einem herrlichen Junitage des Jahres 1284 feierten ſie unter großem, wahrhaft königlichem Gepränge ihre Hochzeit im Königshofe zu Prag.

Ob der mun faſt zu königlichen Ehren empor⸗ geſtiegene Mann an die verſtoßene Tochter des Volkes dachte, als er an der Seite ſeiner königlichen Frau unter den glänzenden Gäſten ſaß, die ſich ſeines Glückes freuten? Vielleicht, aber er hat's Niemandem geſagt. Zwei aber dachten beſtimmt mit Wehmuth der edlen Verſtoßenen: Hroznata von Huſitz und ſeine Bertha.

Um dieſelbe Zeit, als die Hochzeitsklänge durch die Hallen des Prager Königshofes rauſchten, ſaß Libusa auf ihrem ſtillen Schloſſe im herrlichen Thale der Thaya an einem Sterbebette, die fromme Pflicht einer barm⸗

herzigen Schweſter übend.

In dem Bette lag eine abgezehrte, den Tod in allen Zügen tragende Frauengeſtalt, die grauenerregende Ruine einer einſtigen Schönheit, die in ihren glänzendſten Tagen den Namen Ludmila von Mahrenberg geführt. Einſt an

einem ſtürmiſchen Apriltage war Jodok mit Scarlatti

hinausgegangen auf die Jagd, da waren ſie auf ein in Lumpen gehülltes, deutliche Spuren des Wahnſinns an ſich tragendes Weib geſtoßen, das ſich kraftlos am Boden gekrümmt und Gräſer aus der Erde geriſſen hatte, ſich

1