25
und nach berührte letztere in der Unterhaltung vorſichtig das Kapitel, das für ſie allein ein Intereſſe hatte. Sie begann damit, daß ſie das Amt des Kerkermeiſters ein beſchwerliches und trauriges nannte, worauf Porzincula erwiderte, es ſei ein Unterſchied zwiſchen einem Kerker⸗ meiſter, der es mit gemeinem Geſindel zu thun habe, und des Königs Burgvoigt, deſſen Gefangene immer Leute von Stande wären. Daran ließ ſich leicht die Frage knüpfen, ob jetzt ſehr vornehme Gefangene da wären. Porzincula meinte, die Frageſtellerin müſſe eine rechte Einfalt ſein, weil ſie nicht wiſſe, was ganz Prag wußte, daß nach dem König der vornehmſte Mann im ganzen Königreich ihres Bruders Gefangener ſei. Libusa ahnte und fand bald die Ahnung beſtätigt, daß damit ihr Zä⸗ wis gemeint ſei. Vergebens aber forſchte ſie nach der genauen Lage ſeines Kerkers; Porzincula wußte darüber keinen Beſcheid, weil ſie nie in den Thurm kam. Libusa ſah ein, daß ſie durch die alte Jungfer allein nicht zum Ziele kam, ſie mußte mit dem Burgvvigt ſelbſt bekannt werden.
Indeß erlitt ihre Thätigkeit nach dieſer Seite jetzt eine Unterbrechung durch die Bewegung, in welche der ganze Hof durch die bevorſtehende Abreiſe des Königs zur Armee verſetzt wurde. Die Königin wollte ihren Gemahl bis Pilſen begleiten. Da gab es nun für die Diener⸗
1860. XIX. Zäwit von Roſenberg. II. 2


