Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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thuung fand. Und dennoch konnte ſie lediglich durch ihn zu dem Gefangenen gelangen. Mit jener taktvollen Be⸗ harrlichkeit, die nur höheren Frauennaturen eigen iſt, verfolgte ſie ihr Ziel. Nachdem ſie ſich über den Charak⸗ ter des Burgvoigts, über ſeine Lebensweiſe und ſeinen Umgang genau erkundigt, und dabei erfahren, daß ſich letzterer faſt lediglich auf eine alte Schweſter beſchränke, die ihm Haus hielt, ſuchte ſie mit dieſer Bekanntſchaft anzuknüpfen. Zwar war die alte Perſon nicht viel mehr zugänglich als ihr Bruder, aber ſie hatte, was ihm abging: eine Liebhaberei, durch die man ihr beikommen konnte; ſie war eine große Freundin von Singvögeln, deren ſie eine Menge in Käfigen den Tag über vor ihren Fenſtern hängen hatte. Libusa wußte ſich einen gelehrten Dompfaffen zu verſchaffen, mit dem ſie zu Jungfer Por⸗ zincula, wie die Schweſter des Burgvoigts hieß, ging. Sie gab vor, das Thierchen von einem Freund verehrt bekommen zu haben, aber in ihrer nächſten Umgebung wären viel Katzen, die dem Vögelchen nachſtellten. Eine Katze habe es ſchon einmal in den Krallen gehabt, glück⸗ licher Weiſe ſei ſie, Libußa, noch dazu gekommen, um es ihr zu entreißen. Immer aber könne ſie doch nicht bei dem Vogel ſein, und da könne es leicht geſchehen, daß er einmal eine Beute der Katzen würde, ohne daß ſie es verhindern könne. Darum habe ſie ſich entſchloſſen, das