Morana, der Göttin des Todes, ausgetragen und dafür die Wesna, das jugendliche Leben, feſtlich eingeführt ward. Die alten Götter ſind zwar längſt gefallen, aber das ſchöne Feſt hat ſich noch bei vielen Zweigen unſeres Volkes erhalten, wo nicht blinder Prieſtereifer im Bunde mit weltlicher Thrannei es unterdrückt hat. Wir Witko⸗ wetze haben es auf unſerm Eigenen jederzeit als eine na⸗ tionale Sitte gepflegt und geſchützt.“
„Ich danke Euch,“ ſagte die Dame, deren Geſichts⸗ ausdruck jetzt noch ſtrenger zu ſein ſchien, als er vor⸗ her war.
Sezema machte eine Verbeugung und forderte den Stadthauptmann auf, fortzufahren. Dieſer meldete weiter:
„Das Feſt hatte froh begonnen; die Morana war mit Jubelgeſchrei hinausgetragen und in die Moldau ge⸗ ſtürzt worden, und mit fröhlichem Geſang trugen die ſchönſten Jungfrauen das Bild der Wesna in die mit Laub und Blumen geſchmückte Stadt. Doch wie der Zug ſich dem Ring nahte, brach ein Haufe betrunkener Burg⸗ mannen aus einer Seitengaſſe hervor, drang in den Kreis der Jungfrauen und entriß den Trägerinnen mit dem Geſchrei:„Nieder mit dem Gräuel! Nieder mit dem Götzenbild!“ das unſchuldige Sinnbild, warf es zur Erde und zertrat es mit den Füßen. Einige Augenblicke war alles Volk vor Ueberraſchung und Entſetzen wie gelähmt;


