unſerer Sprache. AXxrII
Mehr Veraͤnderungen mußten ſich die Woͤrter Pflaum e, aul und andere gefallen laſſen, wo, bei dem erſten, aus runus zuerſt Prun, Prum, oberdeutſch Praum, dann
Hun und endlich Pflaume ward, und aus cnballus
Kaball, Kawall, Gawel, Gauel, Gaul. Gehn aber
fremde Woͤrter in die deutſche Sprache uͤber und behalten ihre
fremden End(ig)ungen, ihre fremde Schreibart und Aus ſpra⸗ che; ſo leider dadurch die Eigenthuͤmlichkeit der deutſchen
Sprache freilich Noth, und wird offenbar verundeutſcht.*)
Als Regel ſollte man deswegen aufſtellen: Die deutſche Sprache hat, wie jede lebende, das Recht, da, wo ſie eines neuen Wortes wirklich bedarf, daſſelbe auch aus einer frem⸗ den Sprache zu Cent)nehmen; aber das fremde Wort muß ſpaleich durch organiſches Bilden der Sprache in ein deut⸗ ſches verwandelt werden.
Wollte man erlauben, daß es, ohne veraͤhnlicht zu wer⸗ den, ſich dem deutſchen Sprachkoͤrper nur aͤußerlich anhinge; ſo wuͤrde man die Suͤnde auf ſich laden, das organiſche Bilden der Sprache in ein unorganiſches verwandelt zu haben. Weniger eifre man alſo gegen das Uebergehn frem⸗ der Worter in unſere Sprache, wenn dieſe dadurch wirklich um einen Begriff, oder auch nur um eine Schatt(irdung ei⸗ nes Begriffes, bereichert wird; nur dagegen eifere man, ſch⸗ Worter ewig als Fremdlinge unter uns daſtehn wollen.
Einen Fall giebt es ͤbrigens, in welchem es ehrenvoll
fuͤr uns und unſere Sprache iſt, daß wir für manche Begriffe
und Dinge keinen Namen in unſerer Sprache haben, deren
Achtung und Schonung verdienende Zuͤchtigkeit dieſe unreinen
Dinge nicht mit deutſchen Namen benennen wollte**) Wollte
Wenn der ehrwürdige Verfaſſer hier noch fragt:„Warum ſagen und ſchreiben wir deswegen nicht lieber, ſtatt des undeutſchen Doctor, Profeſſor, Inſpector, Docter, Profeſſer„ Inſpecter, wie das Volk längſt geſprochen, und machen dieſe Wörter dadurch zu deutſchen Wörtern?“— ſo möcht' ich demfelben unbefangen ant⸗ worten: Weil wir nicht immer ſprechen, noch weniger ſchreiben wollen, wie das Volk ſpricht, deſſen verſchiedne Sprache wir auch in dem öten und letzten Hauptſatze, ja Schlußgebote der obi⸗ gen Muſterſchul⸗Rede bon der einſtimmigeren Sprache der Gebilderen ſo treffend unterſchieden fanden, wie ſchon der römiſche Sprach⸗ und Rede⸗Meiſter M. Fabius Quintilia⸗ nus GUnstitutt. oratt. 1, 6.) den Spra chgebrauch nicht nach dem Sprechen der Menge, ſondern nach der Uebereinku nft der Gebildeten beſtimmt wiſſen wolle.„Gonsuetudo ser- monis—(quae, si ex eo duod plures faciunt, nomen ac- cipiat, Periculosissimum dabit Praeceptum) iſt ihm nur con⸗ sensus erudito rum(icut vivendi consensus bonorum).“
**) Pergl. den erſteren Portrag S. XRVIr. 3


