unſerer Sprache. xxxt
und Reinheit der deutſchen Sprache; wenn gleich der Dienſt, welcher ſ deutſchen Sprache dadurch geleiſtet wurde, nur gering und zweifelhaft, in jedem Falle das Verdienſt Cam⸗ pe's bei der ganzen Sache gewiß nicht ſo groß war, als der Verdienſt.
Iſt aber je eine Zeit ſo recht dazu geeignet geweſen, der verkuͤrzten deutſchen Sprache wieder zu ihren, ihr ſo unver⸗ ſchuldeter und ungebuͤhrlicher Weiſe entzogenen Rechten zu verhelfen, ſo iſt es die gegenwaͤrtige.
Die unnennbare Schmach, der Druck und die Verachtung, die wir zwanzig Jahre lang von 0 weſtlichen Nachbarn zu erdulden hatten, mußten natuͤrlich, nachdem endlich das ſchmahliche Joch abgeſchuͤttelt war, Haß gegen Alles, was an die Franzoſen erinnert und von den Franzoſen herruͤhret, in jedem Deutſchen zuruͤcklaſſen.
Und die von allen Seiten her jetzt erſchallende Aufforde⸗ rung: alles Fremde, beſonders alles Franzoͤſiſche aus unſerer ipreche auszuſtoßen und zu verbannen, wird gewiß jetzt Ge⸗ oͤr finden.
So ſehr nun allerdings zu wuͤnſchen waͤre, daß durch den jetzt uͤberall rege gewordenen Eifer fur die Reinheit unſerer Sprache dieſelbe wiey zum Beſitz ihrer, ihr ſo lang' entzo⸗ genen Rechte gelangte; eben ſo ſehr wäre zu bedauern, wenn, durch allzuraſches Zufahren in dieſem Reinigung⸗ Proreſſe, der deutſchen Sprache in ihre Rechte und in ihr Leben eingegriffen wurde; wenn ihre wiſſenſchaftliche Beſtimmt⸗ heit und Allgemeinheit gefaͤhrdet und beeintraͤchtigt, und ich mocht' es nennen, ihre Zuͤchtigkeit gekraͤnkt wurde. Dieſe Berinträchtigungen und Kraͤnkungen der deutſchen Sprache zu verhuͤten, iſt die Sache und Sorge der Sprachforſcher, die ihren Organismus und die Bedingungen ihres Lebens, ſo wie ihre Freiheiten und Rechte kennen, und, als ihre Sach⸗ walter, ſie bei ſolchen Gelegenheiten drohender Gefahr ver⸗ treten muͤſſen.
Es ſeh mir deswegen erlaubt, hier bei einer oͤffentlichen Gelegenheit, da Sprache eine Angelegenheit Aller iſt, auf eine Vorſicht⸗Maßregel um deſto angelegentlicher aufmerkſam zu machen, da Nichtbeachtung derſelben leicht zu der beſorgten Beeintraͤchtigung unſerer Sprache führen koͤnnte.
04). Wenn man die Aufnahme fremder, ſey's auch fran⸗ zoͤſſcher Woͤrter, als eine Verunreinigung und Verundeutſchung unſerer Sprache ein fuͤr gilemal uberall verbieten und ver⸗ wehren wollte; ſo griffe man der deutſchen Sprache gewalt⸗ ſam in ihre Rechte und in ihr Lehen.
„Die deutſche Sprache iſt eine lebende. Ich nehme hier den Ausdruck: lebende Sprache, nicht in der ge⸗ wohnlichen Bedeutung, wonach man die Sprache eines noch lebenden Volkes damit meint; ſondern lebende Sprache heißt mir hier: eine Sprache, deren Stamm und vielzwei⸗


