Teil eines Werkes 
1. Theil (1828) A-H
Entstehung
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Vom Reinſprechen u. Reinigen unſerer Urſprache. xxvrr

Eben weil die deutſche Sprache eine lebende iſt, bil⸗ det und erweitert ſie ſich noch immer, das heißt, ſie waͤchſt. Und weil ſie gls eine lebende Sprache wachſen ſoll, ſo muß ſie auch Stoff zu Hervorbringung ihres neuen Gebildes in ſich aufnehmen. Die deutſche Sprache hat aber das Recht, welches die Sprachen aller Völker hatten

bildt fremden Sprachen u nehmen. So wenig uͤbrigens zu beſorg

oͤwe, wenn er von Zeit zu Zeit Laͤmmer verzehrt, endlich zum Lamme werde, und der

Haſen verzehrende Adler zum Haſen, oder auch nür, daß des Löwen uns des Adlers Fleiſch und Blut endlich in Lämmer⸗ und Haſen⸗Fleiſch und Blut ſich umwandle; ſo wenig hat man zu beſorgen, daß die deut⸗ ſche Sprache, wenn ſie auch alhrlich einige Dutzend fran⸗ zoͤſiſche Woͤrter als Sprachſtoff in ſich aufnimmt, dadurch zur franöſiſchen Sprgche werde; wenn ſie nur dieſe Worter geho⸗ rig verdaut, verähnlicht und in Theile ihres Gleichen verwan⸗ delt. Denn das Bilden einer Sprache iſt wirklich einem or⸗ aniſchen Bilden und Wachſen zu vergleichen, wocbei) das ieubehiet⸗ nicht durch aͤußeres Anhaͤngen und Anhäufen, ſondern durch Verarbeitung und Veraͤhnlichung des in ſich Aufgenommenen entſteht.

Wer ſſeht es z. B. den deutſchen Wörtern: Fenßter, Schule, Pflanze, Kirſche, Pflaume, Wein t. w. noch an, daß ſie von fremdem Stoſfce) gebildet find? Und bei den Woͤrtern: Gaul, Latwerge u. a. erkennt man faſt den fremden Stoff nicht mehr. Sollte die deutſche Spra⸗ che alle Woͤrter wieder herausgeben, die ſie aus fremden Sprachen entlehnt, aber durch organiſches Bilden zu deut⸗ chen Woͤrtern gemacht hatz ſo wurde ſe vielleicht des vierten Theiles von ihrem Woͤrter⸗Vorrath Es hieße al

athe beraubt werden. lſo unſerer Sprache einen der beiden W

ege verſtopfen, auf dem ſie ſich neuen Stoff zu Wortbildungen zufuͤhren ſoll, wenn man ihr das Recht ſtreitig machte, Woͤrter aus fremden Sprachen zu entlehnen und in deutſche umzuwandeln.

Es wäre freilich laͤcherlich und zeigte entweder von Un⸗ kunde, oder von Geringſchaͤtzung unſerer Sprache, wenn man ſeine Zuflucht zu einer fremden Sprache da nähme, wo ſich in unſerer ſchon ein denſelben Begriff ausdrückendes Wort befindet. In jedem Falle muß, um das organiſche Wachſen der Sprache nicht in ein unorganiſches zu verwandeln, jedes ſtende Wort erſt verdaut und verähnlicht werden, bevor es fuͤr deutſch gelten darf; Regel, Inſel, von regula, Unsula.

Für unſere deutſche Sprache iſt alſo keine Gefahr Gzu beſorgen), daß ſie ihren deutſchen Charakter verliere, wenn wir nur nicht fremde Voörter gebrauchen, wo wir Daſſelbe bezeichnende, deutſche haben, und wenn wir jedes fremde Wort auch in ein deutſches umwandeln.