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ueber das Reinſprechen und Reinigen unſerer urſprache, von
Dr. Wilhelm Heinrich Seel, PVorſteher und Ober⸗Lehrer der Muſter⸗Schule zu Frankfurt a. M.*)
Un den vielen und mancherlei Regungen, die, nach viel⸗ jährigem Prucke von einem fremden Volke, das Gefuͤhl der wiedererlangten Freiheit unter dem deutſchen Volke bis jetzt erzeugt hat, iſt es eine der loblichen und achtungwertheſten, daß in allen Ständen, Geſchlechtern und Altern eine Vyrliebe fur unſere, von Vielen verkannte, herrliche, reiche, ehen ſo kräftige und wuͤrde⸗ volle, als herzliche und ſinnbolle deutſche Sprache erwacht iſt Aihi regſamzeiget.
Beſonderg ſtark äußert ſich dieſes Gefuͤhl in unſern Ta⸗ gen in dem Beßtreben, aus unſerer Sprache alle fremdartige, oder wenigſtens fremde Einmiſchungen auszuſtoßen und faſt mit Aengſtlichkeit uͤber ihre(2) Reinheit zu wachen. Wenn dem Eifer unſerer Tage, reines Deutſch ſprechen zu wol⸗ len, die rechte Richtung wird, daß er nicht, wie der Eifer, deutſch gekleidet zu eyn, in Spielerei, Modeton und Geſchwatz ausartet; ſo läßt ſich viel Gutes und roßer Gewinn fur unſere Sprache davon erwarten. Dieſen Eiſer zu benutzen und ihm bei der Jugend eine rechte Richtung zu geben, iſt aber die Sache der Lehrer und Eltern.*)
Man wahnt, für die Reinigung und Reinheit der deut⸗ ſchen Sprache wie viel gethan und ihr einen großen Dienſt geleiſtet zu haben, wenn man, ohne Weiteres, alle Woͤrter, denen man nur auglaͤndiſche ubkunft anmerkt, aus derſelben verbannt. Man bedenit aber dabei nicht, daß man einer Sprache in ihre Rechte, und einer lebenden, wie die ei iſt, in ihr Leben⸗ durch ein ſolches Verfahren, gewaltſam eingreift.
) Aus den ſehr leſenswerthen Schulreden und andern kleinen
Schulſchriften jenes würdigen Muſter⸗Lehrers(Heidelbers 1817.
202 S. 8. 20 9Gr. oder 4 Fl. 30 Kr. Rheinl.) S. 400— 120 und
S. 155— 172, mit Genehmigung des leider ſchon entſchlafenen Ver⸗
faſſers, entlehnet.
**) Deßwegen bielt der Redner den Schluß einer Schulprüfung(am 30. Jun. 4813) für eine günſiige Gelegenheit, auf Einiges aufmerkſam zu machen, damit man auf einer Seite nicht, aus Eifer für die Reinheit der deutſchen Sprache, derſelben in ihre Rechte greife, und ſie in ihrem Leben und Bilden beſchränke, auf der andern Seite jedoch den glücklich
erwachten Eifer zum Vortheile der deutſchen Sprache benutze.


