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Die Malerin von Dresden : Erzählung / von Elfried von Taura
Entstehung
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Sowohl der Stadtrath als das Bergamt zu Freiberg hatten ihm nicht allein völlig freie Hand zu laſſen, ſon⸗ dern auch ihrerſeits Nachforſchungen in ihrem Jurisdicti⸗ onsgebiete anzuſtellen. Letztere fanden auch ſtatt, waren jedoch erfolglos. Menzel ſelbſt legte ſich auf ein, von der modernen Polizei in ausgedehnter Weiſe gebrauchtes und ausgebildetes Mittel: er nahm eine Anzahl ſchlechter Subjecte in ſeinen Sold. Darunter befand ſich ein Berg⸗ mann von deralten Mordgrube. Dieſer brachte dem Agenten eines Tages die Meldung, daß in ſeiner Grube zwei fremde Bergleute wären, die gar nicht an das Ta⸗ geslicht kämen und, der Beſchreibung nach, den geſuchten Flüchtlingen ähnlich ſähen.

Sofort ſchickte Menzel einen zuverläſſigen Boten mit einem Schreiben an den Kriegsſekretär Oeſterreich nach Dresden, den er erſuchte, ſich von dem Oberſtlieutenant von Retzow eine Abtheilung Dragoner zu erbitten und mit dieſer eiligſt nach Freiberg zu kommen, um mit ihm die Verhaftung der Flüchtlinge zu bewirken.

Der Oberſtlieutenant von Retzow war gerade im Be⸗ griff zu einem großen Diner bei dem Grafen von Wartensleben zu gehen, als der Sekretär Oeſterreich mit Menzel's Brief bei ihm erſchien. Er riß ihm den Brief aus der Hand und durchflog ihn.Von der Kleinen ſteht nichts dabei, murmelte er;doch haben wir nur