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Nur ein roher Barbar könnte ihn verweigern, aber nim⸗ mermehr mein feingebildeter, hochherziger Prinz Heinrich. Sie machen mich zu Ihrem Geſandten, Mademoiſelle; ich werde dem Prinzen das Bild überreichen und auf Be⸗ zahlung Ihres Preiſes dringen.“
„Dann war es Gottes Fügung, daß ich in dieſes Gefängniß kam,“ erwiederte Doris;„denn wäre mir das nicht geſchehen, ſo hätte ich keinen ſo mächtigen Geſandten und Fürſprecher gefunden. Ich lege mein Bild vertrauens⸗ voll in Ihre Hände.“
„Morgen,“ ſagte der Graf,„fahre ich nach Dres⸗ den und übergebe bei ſchicklicher Gelegenheit das Bild. Ich bin dem hohen Offiziercorps noch eine Gaſterei ſchul⸗ dig, dieſe werde ich veranſtalten und ſo die Gelegenheit ſelbſt ſchaffen. Sie bleiben inzwiſchen hier, zwar als Ge⸗ fangene, doch unter den bisherigen Erleichterungen und in Geſellſchaft Ihrer jungen Freundin. Hoffentlich werden Sie bald ganz freigeſprochen.“
Der Fremde, welcher ſich in der Nachbarſchaft der Frau Hertwig einquartiert hatte, war Niemand anders als der geheime Polizei⸗Agent Menzel, der im Auftrage des Oberſtlieutenant von Retzow auf Camillo, Hertwig und Emma fahndete. Derſelbe war mit ſchriftlicher Voll⸗ macht verſehen, worin alle Behörden angewieſen waren, ihn in der Ausführung des Auftrages zu unterſtützen.


