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Die Malerin von Dresden : Erzählung / von Elfried von Taura
Entstehung
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junge Mädchen in ihre Arme. Sie herzend und küſſend ſagte ſie:Wenn ich Dich dutzen ſoll, mußt Du es auch thun alſo Du und Du!

Ach, Mademviſelle, wendete Emma ein,ich bin ja ſo gar nichts gegen Sie

Aber Doris ſchloß ihr den Mund mit einem Kuß, und Emma mußte ſich in ihren Willen fügen.

Schon den andern Tag ließ der Graf Emma's Mutter holen. Von dieſer erfuhr Doris, wie eifrig man nach den beiden Flüchtlingen geſucht, und wie neuerdings ein Fremder in Civil ſich in der Nähe ihrer Wohnung eingemiethet habe, der wahrſcheinlich auf die Beiden fahnde. Es wären auch bereits vom Bergamte Nachforſchungen nach ihnen auf den Gruben gehalten worden.

Doris ſah ein, daß Camillo doch noch nicht über alle Gefahr hinweg ſei, daß vielmehr das Damokles⸗ ſchwert fortwährend über ſeinem Haupte ſchwebe. Mithin war ihr Werk auch rückſichtlich ſeiner keinesweges über⸗ flüſſig geworden. Mit neuem Eifer arbeitete ſie fortan daran, und bald ſtand es vollendet vor ihr zur eigenen Befriedigung und zum Entzücken aller Beſchauer.

Der Graf von Wartensleben konnte ſich an dem Bilde nicht ſatt ſehen und pries ſich glücklich, daß es in ſeinem Hauſe geſchaffen worden.Der Preis, den Sie fordern, ſetzte er hinzu,kann Ihnen gar nicht entgehen.