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Die Malerin von Dresden : Erzählung / von Elfried von Taura
Entstehung
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da kann der Herr Magiſter nicht fort. Ich ſoll Sie von ihm grüßen und Ihnen ſagen, daß der junge Herr Graf durch meinen Vater glücklich befreit worden!

O allgütiger Gott! rief Doris die Hände fal⸗ tend,dann wäre ja mein Werk überflüſſig!

Dieſe letzte Aeußerung entging dem Grafen doch nicht.Da ſei Gott vor, ſagte er ſich zu Doris wen⸗ dend,daß Sie dieſes herrliche Werk als überflüſſig un⸗ vollendet laſſen! Sie ſind es Gott, der Ihnen Ihre großen Gaben verlieh, Sie ſind es der deutſchen Sache

ſchuldig, daß Sie dieſes Bild vollenden. Mademoiſelle, eh' ich Sie ſelbſt und ehe ich dieſes Bild ſah, war ich Ihrer Unſchuld noch nicht gewiß jetzt bin ich es, und was auch die blinde Juſtiz für ein Urtheil fällen möge, ich werde vor der Welt bezeugen, daß Sie rein ſind

wie die Sonne! Doris ſenkte das zu Purpur erglühende Angeſicht. Sie kannte den Mann nicht, der dieſe Worte zu ihr ſprach, er war ihr nicht einmal genannt, obſchon ſie ahnte, wer er ſei; aber ſeine Sprache, ſeine Augen, ſein Antlitz, ſeine ganze Erſcheinung ſagten ihr, daß er zu den wahren Edlen der Menſchheit gehöre. Und dieſer fremde Edle erkannte ihre Unſchuld nein, er nannte ſie rein wie die Sonne. Ihre Seele beugte ſich in Demuth, aber ihr Herz jubelte und dachte im höchſten Jubel deſſen,