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Die Malerin von Dresden : Erzählung / von Elfried von Taura
Entstehung
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Nur wer auf der alten Frauenſteiner Straße der ehrwürdigen Bergſtadt um dieſe ſpäte Zeit ſich genähert hätte, würde einen vereinzelten Lichtſchein wahrgenommen haben, der aus einem Häuschen der nach jener Seite ge⸗ legenen Vorſtadt kam. Der Schein kam von einer auf einem Tiſche nahe dem einzigen Fenſter eines ärmlichen Stübchens ſtehenden Lampe, die einer Frau in den mittle⸗ ren Jahren zu einer ſehr mühſamen Arbeit leuchtete.

Die Frau war ſehr blaß und ſehr abgemagert, aber ſie trug in ihrem Antlitz Spuren einſtiger Schönheit. Sie war über ein Klöppelkiſſen geneigt, an dem ſie aus Gold⸗ füden jene glänzenden Borten ſchlang, welche die weißen Kragen der Galauniformen der Bergoffizianten zierten. Wer mag die nächtlichen Stunden alle zählen, welche die arme Frau ſchon über dieſer Arbeit zugebracht. Man ſah es ihr an, wie ſie ſich nur mit Mühe des Schlafes er⸗ wehren konnte, von dem ſie ſchon viel zu viel geopfert. Endlich wollte es durchaus nicht mehr gehen, ihre weißen mageren Hände ſtanden plötzlich ſtill, ihre Augen ſchlo⸗ ßen ſich, ihr müdes Haupt ſank auf die Bruſt. Aber nur einen Augenblick. Der Gedanke an vier Kinder und einen alten blinden Schwiegervater, denen der männliche Ver⸗ ſorger entriſſen war und die morgen nichts zu eſſen hatten, wenn die Borten nicht heute Nacht noch fertig wurden, dieſer Gedanke weckte ſie wieder und trieb ſie zu neuem Kampf gegen den mächtigen Schlaf an.

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